Der Meister und Margarita oder: Hai-Alarm am Müggelsee

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Was Kunst mit einem machen kann. Nachdem ich „Magical Mystery“, das neue Buch von  Sven Regener zu Ende gelesen, Quatsch, gehört habe, und mich einmal mehr vor dem zauseligen Autor und seinen noch zauseligeren Figuren verbeugen möchte, habe ich heute, wieder in der Levante-Galerie sitzend, „Hai-Alarm am Müggelsee“ geguckt. Bescheuert. Lustig. Da wird die Wirklichkeit mal einfach so behauptet (Kuba-Hai-Züchtung landet im Süßwasser als Tausch gegen bulgarischen Käse, Friedrichshagen ist das Italien Berlins, Leander Hausmann und Regener in Taucheranzügen, Jürgen Flimm und Frank Castorf philosophieren beim Griechen um die Ecke), und dann, nachdem ich denke, was für eine Buddy-Connection zwischen Regener, Buck, Hausmann, alles Männer, die sich toll finden und irgendwie auch toll sind, nachdem ich also denke, wo ist denn die Frauen-Bande, die ihr Ding macht, egal, wem es gefällt, schließe ich die Türen meiner Ausstellung, weil ich zur nächsten Connection eilen muss, will, darf. Premiere zum Saisonauftakt der Hamburger Staatsoper „Der Meister und Margarita“, einem Musiktheater des Komponisten York Höller nach Michail Bulgakows gleichnamigem Roman.

Nach drei Stunden Mix aus serieller, elektronischer, Filmsound anmutender, Bernd Alois Zimmermann („Die Soldaten“) würdigender, manchmal Pina-Bausch-gedenkdender, ja, auch die Stones kommen vor, also jedenfalls sehr komplexer Musik, bin ich platt und ratlos.

Der Plot reicht buchstäblich von Pontius zu Pilatus, und wer seinen Bulgakow nicht gelesen hat, dem werfen sich mehr Fragen als Antworten auf.

In knalliger Kürze und Verkürzung geht es um die Rolle und Freiheit und Unfreiheit des Künstlers in einer totalitären Gesellschaft. Das Irre-Werden an Verboten (Bulgakows Stücke wurden unter Stalin andauernd verboten), und wie man wieder rauskommt aus dem Schlamassel, der Irrenanstalt…  Höller hat dieses Ding  zwischen 1984 und 1989 geschrieben, einer Zeit, die (Glasnost, Perestroika, Mauerfall) sehr bewegend war. Was machen wir denn heute damit? Jochen Biganzoli (Regie) hat es nicht leicht und findet  keine für mich zeitgemäße Antwort.

„Der Meister“, also der Dichter, sieht aus wie Richard David Precht (kommt auch gleich mehrfach vor), Margarita, die Geliebte, muss es richten, eine Frau. Hallo Faust, hallo Gretchen. Hallo Angela. Margarita muss zur Hexe werden, macht sie gern (das „Frauen-opfern-sich-Dingsbums – will ich das eigentlich noch sehen?), und dann findet man sich auch noch in einem Apple-Laden wieder, wo es den heißen Scheiß gibt (Kapitalismuskritik, platt wie ein Macbook air).

Irgendwo in der Mitte ein leider schwacher Auftritt von Corny Littmann, der die Hamburger Pfeffersäcke und die Elbphilharmonie geißelt, Wenn man schon versucht aktuell zu sein: Gibt es nicht ein paar ganz andere wichtige Ereignisse?

Also: Für Hamburger Verhältnisse war das schon recht modern, und die Leistung aller Beteiligten ist unumstritten, Chapeau! Ansonsten guck ich doch noch mal „Hai-Alarm am Müggelsee“.

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