Will Gompertz

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Mein Buchtipp für heute: „Was gibt’s zu sehen? 150 Jahre moderne Kunst auf einen Blick“

Will Gompertz, BBC-Kunstkorrespondent, ehemaliger Media-Direktor der Londoner Tate Gallery und Gelegenheitsschauspieler hat eines der tollsten, erhellendsten, unterhaltsamsten Kunstbücher der letzten Jahre geschrieben – finde ich jedenfalls.

Ob man Marcel Duchamp in ein New Yorker Spezialgeschäft für Klempnerbedarf begleitet und ihn beim Aussuchen eines Urinals beobachtet (aus dem er kurz darauf das Readymade „Fontäne“ herstellt) oder Walter Gropius „belauscht“, wie er das sich das Bauhaus ausdenkt. Ob man dabei ist, wenn die russischen Avantgardisten Malewitsch und Tatlin auf einander einprügeln, weil der eine dem anderen eine Idee geklaut hat, oder doch nachdenklich wird, weil der Autor hin und wieder auch den großen Bogen spannt:

(Gompertz über russische Kunst 1915 – 1925): „Was weltweiten Einfluss und Dauerhaftigkeit angeht, stellten die russischen Künstler locker ihre Politiker in den Schatten. Der Kommunismus verursachte den kalten Krieg mit dem Westen, hätte im Weltuntergang enden können und scheiterte schließlich. Die gegenstandslose Kunst dagegen prägte das moderne Design des 20. Jahrhunderts und lieferte die Grundlage für die Minimal-Art, die in Amerika rund fünfzig Jahre später aufkam. Eine Entwicklung, die einer gewissen Ironie nicht entbehrt. Während die Politiker zu dem Kalten Krieg auszogen, führte die Kunst vor, dass die zwei Länder einander stärker beeinflussten, als beide zugeben wollten.“

Von den Anfängen des Impressionismus über Kubismus, Bauhaus, Konzeptkunst bis zu aktuellen Strömungen: Mit Gompertz steckt man mittendrin in der modernen Kunstgeschichte und -gegenwart, begreift die Gedanken und Notwendigkeiten, Absurditäten der jeweiligen Zeit und kann gar nicht genug davon kriegen. Dieses Buch könnte sogar für Leute spannend sein, die mit Kunst nichts am Hut haben, sie vielleicht grundsätzlich doof finden, beängstigend, was auch immer… Denn es ist lustig, klug und total aufregend geschrieben!

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