Meret Oppenheim/Anish Kapoor

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Berlin, Berlin: Meret Oppenheim und Anish Kapoor im Martin Gropius Bau besucht. Kann es unterschiedlicher zugehen? Im ersten Stock die Retrospektive der surrealistischen, männlich-weiblich-auslotenden, erotisch-humorvollen und ebenso politischen, sich selbst und uns befragenden und selbstbewussten Weltkünstlerin Meret Oppenheim (1913 – 1985). Zeichnungen, Gemälde, Objekte, Schmuck – wie aus einer fremden uralten Höhle gesendet – und unten im Erdgeschoss („Erdgeschoss“, was passt besser?) die kriegerische Wucht des Bildhauers Anish Kapoor (geb. 1950): blutrote Wachs-Invironments, brachiale Skulpturen, von gewaltigen Maschinen betriebene Plastiken, (ja, auch sehr lustige kleine Löcher, in denen die Welt samt der Menschheit ein bisschen verschwinden könnte). Zerrspiegel, Blutspiegel, darin der Besucher: klitzeklein. Jedes Werk ein Ausrufezeichen.

Gibt es männliche, gibt es weibliche Kunst? Auch wenn Meret Oppenheim diese Frage generell verneinte – beide Ausstellungen in ein und dem selben Bau werfen die Frage auf.

Oppenheim fragt, rätselt, bei ihr verschwimmen Natur und Kultur, Traum und Wirklichkeit. Sie war für den Pariser Männer-Club der 30er die Muse, die sie nicht sein wollte und hat das in ihren späteren Werken eindrucksvoll karikiert. Immer wieder musste und wollte sie sich definieren in einem männlichen Kunstbetrieb. Und was ist mit Kapoor? Well, das Mann-Frau-Dings ist – zumindest vordergründig – nicht sein Thema. Er musste sich nicht fragen „Was mache ich als Mann hier in der Kunst?“. Er ist, macht und spielt, und breitet sich aus da unten im Erdgeschoss. Irgendwie erhaben, als stünde man vor diversen Kirchen, jedenfalls ist es nicht so, dass man auf Augenhöhe mit ihm ins Gespräch kommen könnte. Dagegen ist Oppenheim so nah dran am Leben mit ihren vielschichtig bearbeiteten Alltagsgegenständen. Was will ich damit sagen? Nun. Da oben fühlte ich mich ganz aufgehoben, da unten war ich erschlagen von der Wucht eines omnipotenten Installateurs. Beide Ausstellungen haben mich sehr berührt.

http://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/gropiusbau/ueber_uns_mgb/aktuell_mgb/start.php

Sidestep: Am Tag der Deutschen Einheit spielte eine mir bis dahin unbekannte Boy-Band mit dem blöden Namen „The Wanted“ vor dem Brandenburger Tor. Fünf mittelbegabte, aber sehr laute Jungs, vor der Bühne kreischende Mädels. Why? Nicht, dass ich mir kreischende Jungs vor Meret Oppenheim wünschte – aber: Warum eigentlich nicht?

PS: Das Buch „Conceptual Art“ ist mir noch so in den Einkaufskorb gefallen. Darin u. a. Charlotte Posenenske – klare Empfehlung!

 

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