Stefano della Bella

Tod

Stefano della Bella, was für ein Name. Berühmter italienischer Radierkünstler aus dem 17. Jahrhundert. Wie, kennen Sie nicht? Schnell mal googeln, ja, könnte man machen. Ehrlich: Man kann nicht alles kennen. Zumal nicht in einer Zeit, in der Bilder und Infos uns nur so überrollen. Ein Klick, ein Bild, Sekunden-Aufmerksamkeit. Gefällt mir oder nicht, nächstes Bild. Dem entzieht sich Stefano della Bella (1610-1664). Vor rund 400 Jahren haben Menschen seine Bilder vielleicht eine kleine Ewigkeit betrachtet und immer wieder neue Details entdeckt – gab ja auch kein Internet und all das andere Zeugs. Stefano della Bellas Bilder brauchen Zeit. Und Aufmerksamkeit. Und belohnen den Betrachter dafür mit exellenten Bildergeschichten.

Der Mann war schon zu Lebzeiten sehr erfolgreich. Ausbildung als Goldschmied, dann als Radierer und Maler, gefördert von den Medicis, immer mit Feder und Stift unterwegs. In Florenz, Paris, Rom. Zeichnen, zeichnen, zeichnen. Vielleicht so, wie heute die Kids rauf und runter die Wirklichkeit abfotografieren. Mit einem Unterschied. Er hat nicht Klick gemacht, sondern ebenso temporeich wie akribisch seine Skizzenbücher gefüllt. Kinder, Frauen, Männer, Tiere, Schlachten, Mythisches, Religiöses. Den Tod. Die Stadt. Seine Radierungen sind bekannter, aber gerade die Zeichnungen beeindrucken fast mehr, jetzt erstmals (!) in großer Fülle zu sehen im Kuppelsaal der Hamburger Kunsthalle: Von der Schönheit der Linie. Stefano della Bella als Zeichner – Hamburger Kunsthalle. Die Ausstellung zeigt beeindruckend seine unbändige Lust und Fähigkeit, sich dem Leben zeichnerisch zu nähern.

Della Bellas Passion war die Linie, das „Eben-mal-so-Erfassen“ einer Situation, einer Geste, eines Gefühls. Und die Art und Weise, wie er das einerseits perfekt detailliert bis ins Zentimeter kleine Pferd beherrschte, andererseits fast abstrakt wie mit einem Lasso seine Welt einfing, ist manchmal überraschend modern. „Der Tod verfolgt einen Mann“ (um 1650, siehe oben) ist so eine Zeichnung. Da umzingelt er die Ausweglosigkeit des Verfolgten mit atemlosem Gekreise. Es war die Zeit von Pest und 30jährigem Krieg. Nachvollziehbar, dass seine Zeitgenossen davon berührt waren.

bogenAber er fing eben auch den ganz normalen Alltag brillant ein. Schade, dass Stefano della Bella nicht heute durch die Stadt laufen kann, um Menschen in der U-Bahn, beim Einkaufen, auf der Baustelle, sonstwo zu skizzieren.

Bis zum 26. Januar 2014 kann man die Zeichnungen des Florentiners in der Hamburger Kunsthalle besichtigen. Vom Kind bis zum Greis, vom Kunsthasser bis zur Kennerin – ich bin sicher, er wickelt jeden mit seinen eleganten Linien um den Finger. Nehmen Sie eine Lupe mit, die teilweise sehr kleinen Bilder werden Sie rühren, umhauen, irgendwas mit Ihnen machen. Und jetzt: „klick“ – gefällt mir!

(Abb.: © Rom, Istituto Nazionale per la Grafica;
© Florenz, Gabinetto Fotografico / Roberto Palermo)

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