Gego – die Linie als Objekt

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Gego – was für eine Entdeckung! Und weil Sie in Europa bisher nahezu unbekannt war, und auch hier wohl kaum jemand ihre Kunst kennt, vorab ein paar Schnappschüsse vom Presse-Rundgang in der Hamburger Galerie der Gegenwart (Bildbeschriftung folgt). Die Fotos geben nur ansatzweise die Wirkung der Kunstwerke wieder, vermitteln aber hoffentlich einen ersten Eindruck.
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Gego, eigentlich Gertrud Goldschmidt (1912 – 1994), wuchs in der Hamburger Heilwigstraße auf, studierte Architektur in Stuttgart in den 30ern. Und wie der Nachname schon ahnen lässt, muss auch sie Deutschland verlassen. Auf den letzten Drücker, alle anderen Verwandten sind schon emigriert, verschließt sie 1939 die Haustür der Hamburger Villa und wirft den Schlüssel eigenen Angaben nach in die Alster. Mit 27 gelangt sie nach Caracas, ohne ein einziges Wort spanisch zu sprechen. Ergattert nach einigen Gelegenheitsjobs 1940 eine Anstellung in einem Architekturbüro, wo sie auch den Unternehmer Ernst Gunz kennen und lieben lernt. Sie heiratet, bekommt zwei Kinder, entwirft für das gemeinsam eröffnete Möbelgeschäft.

Ihre künstlerische Laufbahn schlägt Gego erst in den 50ern ein, mit über 40. Da ist sie schon von ihrem ersten Mann getrennt und mit dem Grafikkünstler und Designer Gerd Leufert liiert (und seine Werke kommunizieren einzigartig mit Gegos Welt). Beide beteiligen sich an einer Gruppenausstellung in München. Die Bilder werden 1954  in der Galerie Wolfgang Gurlitt (!), einem Cousin des umstrittenen Hildebrand Gurlitt, gezeigt.

GEGO – LINE AS OBJECT heißt die Hamburger Ausstellung. Und das sagt alles. Zeit ihres Lebens beschäftigt sich gego3Gego mit der Linie. Und definierte wie nebenbei das Wesen der Skulptur – vormals bestehend aus Masse und Begrenzung – neu. Vor allem im Raum finden ihre Linien völlig neue Wege. Sie konstruiert ihre Reticuláreas, luftige Netz-Objekte aus rostfreiem Stahl. Entwirft ab Mitte der 70er jahrelang Bilder ohne Papier (Dibujos sin Papel), dreidimensionale Zeichnungen ebenfalls aus Stahl, aber auch mit Fäden, Draht und Schnüren kombiniert. Gego wird in späten Jahren immer leichter und verspielter, baut ihre Bichitos (Kleine Viecher) – da wird die Linie glatt zum Knäuel! (Abb.: Bichito 89/29, 1989, Foto: C. Garcés)

Gegos Œvre aus gut 40 Jahren – dazu gehören auch Zeichnungen und Aquarelle – kann man jetzt in der Galerie der Gegenwart erkunden und bewundern. Vom 29.11. bis 2.3.2014. Gego – Eva Hesse – Hamburger Kunsthalle. Davor oder danach: Eva Hesse gucken, ein Stockwerk drüber.

„Viele Jahre später entdeckte ich den Charme der Linie an und für sich – sowohl der Linie im Raum als auch der Linie, die auf eine Oberfläche gezeichnet wird; genauso wie das Nichts zwischen den Linien und das Funkeln, wenn sie sich kreuzen, wenn sie unterbrochen sind, wenn sie verschiedenfarbig oder verschiedenartig sind. Ich entdeckte, dass manchmal das, was zwischen den Linien ist, genauso wichtig ist wie die Linie selbst.″
Gego, 1966

Und einen Videobeitrag der Deutschen Welle gibt’s hier: Hamburger Kunsthalle zeigt Werk von Gertrud Goldschmidt | Aktuell Deutschland | DW.DE | 30.11.2013

1 Kommentar

Comments

  1. Maria Mayer de Scurrah says:
    Great commemoration of Gegos art, !! Wonderful to see it, wish i could go to the exhibit

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