Kurt Weill Calling!

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Also, wenn mich jetzt Kurt Weill anriefe (1900 – 1950, Komponist der Dreigroschenoper und so vieler unglaublich aktueller Werke), er würde vielleicht dieses in den Hörer rufen:
„Ulrike, in Dessau geht’s rund! Ist ja schön und gut, dass hier gerade ein Festival für mich veranstaltet wird, mit Gästen von sonst wo, großartigem Programm, 1A Möglichkeiten im Bauhaus für nur 35 Euro pro Nase zum ÜbernachtenIMG_2399 (Foto), tollen Restaurationsarbeiten der Meisterhäuser rund um Klee, Gropius und Kandinsky, super Sonnenwetter, ach, eben allem, was das Kulturherz so begehrt – aber ganz ehrlich: Es kann doch nicht sein, dass diese kleine ambitionierte Stadt so allein gelassen wird mit ihrem Theater! Ich meine, da ist ein riesiges Haus mit vielen Arbeitsplätzen für Schauspieler, Musikerinnen, Tänzer und noch mehr Plätzen für Zuschauer. Da sind Ideen und Möglichkeiten, aus einer Region etwas zu machen, die ohne dieses Theater, ohne ihre Kreativen in wenigen Jahren  nur noch ein klitzekleines Kulturerbe ist, das zu den wenigen geförderten Highlights ein bisschen Besuch kriegt. Mensch, wie kann man das passieren lassen? Dass das Schauspiel-Ensemble entlassen wird, die Tänzer gehen müssen? Ein ambitionierter Bauhaus-Chef wie Philipp Oswalt nicht bleiben soll? Sind die Politiker irre? Tu, was Du tun kannst, mach die Leute aufmerksam auf diese Stadt! Mein „Berliner Requiem“ ist eine sehr irdische musikalische Auseinandersetzung mit dem Tod in der Großstadt – ich kann und will nicht das Requiem für eine Kleinstadt schreiben! Erstens, weil ich tot bin, und zweitens, weil ich will, dass Dessau quietschlebendig bleibt!“

PS: Liebe Lesende, ich war für drei Tage in Dessau, habe hochaktuelles politisches Theater (The Beggars‘ Opera), geniale Konzerte (Sinfonie der Großstadt, Das Berliner Requiem, Schreker, Jazz und den urkomischen und beeindruckenden Generalmusikdirektor Antony Hermus (Foto mit Akkordeon))IMG_2305 erlebt. Es hat mich aufgewühlt, zum Weinen gebracht, glücklich und betroffen gemacht. Die Stadt wirkt im Alltag vielleicht müde und tot wie so viele vernachlässigte Regionen, ist aber im Herzen jung und neu! Fahrt hin, jetzt zum Kurt-Weill-Festival Kurt Weill Fest 2014 – AUFBRUCH Weill & Die Medien, oder wann immer Ihr etwas wirklich besonderes erleben wollt. Da, wo vor fast 100 Jahren Kandinsky, Gropius, Klee, Schlemmer, Stölzl, Brandt ihre Spuren hinterlassen haben, kann man einen Zipfel von dem schönen Kleid erfassen, dass Deutschland heute ohne den vernichtenden Nationalsozialismus tragen würde: Farbenfroh, knallmodern und zukunftsweisend.

Liebe DessauerInnen, Kultur-Fans, Zufallsleser – tragt es in die Welt. Wer teilt, hilft!

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