Schiller an der Mundsburg

IMG_6199 Kopie

„Mundsburg“, klang der Name je treffender? So heißt die Haltestelle der U3 beim Ernst-Deutsch-Theater. Und genau hier hat gerade erstklassiges Sprechtheater Einzug gehalten. Nicht dass die anderen Stücke Murks sind oder waren, aber Friedrich Schillers Tragödie „Maria Stuart“ in der Inszenierung von Mona Kraushaar ragt schlicht heraus! Julia Richter (Maria Stuart), Jele Brückner (Elisabeth) und auch alle anderen Protagonisten bis hin zur kleinsten Rolle, sind nicht nur bestens besetzt, sie haben die Kunstsprache Schillers buchstäblich eingeatmet, durchgekaut und katapultieren sie jetzt Satz für Satz in die Gegenwart. Da sitzt jeder Schlagabtausch, jedes Wort. Jede Pause. Jeder Blick. Was für ein Drama, was für ein Fest! Ein karges, ausgeklügeltes Bühnenbild aus Leuchtstoffröhren, die auf und ab  gezogen werden, schafft Palast und Kerker, Weite und Enge. Was bewegt den Menschen, sein Innerstes, was treibt sein Schicksal? Das führt Schiller, führt das Ensemble beispielhaft vor. Hier die vermeintliche Gattenmörderin Maria Stuart, der man alles zutraut, da das Mätressenkind Elisabeth, in der ewigen Angst, doch nicht gut genug zu sein. Starke Antriebswellen für zwei hammerharte wie verletzliche Protagonistinnen. Drum herum verlogene, durchtriebene, rücksichtslose und schwache Kerle. Jeder einzelne perfekt austariert. Ein Abend, der mit dem Tod Maria Stuarts – und einem unendlich langen Blick Elisabeths in die Ferne endet. Ganz zum Schluss wirft sie minimal den Kopf nach hinten: Krönchen richten, weiter machen. Licht aus. Das Publikum (geht quer durch alle Generationen) applaudiert begeistert. Beim Rausgehen eine ältere Dame zur anderen: „Starke Frauen!“– Die andere: „Aber was wäre die Welt ohne Männer?“– „Besser“, kontert die erste trocken. An der Garderobe fragt eine Klassenlehrerin ihre Schüler: „Und? Schlimm?“ Ein Mädchen mit leuchtenden Augen antwortet: „Ich hätte am liebsten sofort mit gespielt!“
Noch bis 18. Februar 2018. Nichts wie hin! (Karten hier: Maria Stuart)

0 Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.